Dalmatinisch lernen: Wörter & Unterschiede zum Standard
In Split, Trogir oder auf Brač hörst du ein anderes Kroatisch als im Lehrbuch: di statt gdje, san statt sam, piron statt vilica. Hier findest du die wichtigsten Regeln und 226 dalmatinische Wörter – jeweils neben der Standardform.
Dalmatinisch ist keine eigene Sprache, sondern die Alltagssprache an der mittleren Adria. In Split spricht man štokavisch mit ikavischer Aussprache (mliko statt mlijeko), auf vielen Inseln čakavisch. Jahrhunderte unter Venedig haben außerdem viele Wörter aus dem Venezianischen und Italienischen hinterlassen. Geschrieben, in der Schule und in den Nachrichten wird Standardkroatisch (književni jezik) verwendet – darum lernst du in croBro immer beides.
Alle Formen beziehen sich auf Split und Mitteldalmatien. Was nur in Teilen Dalmatiens üblich ist, ist als „regional“ markiert.
Die Regeln im Überblick
Drei Merkmale, die du ab heute überall hörst A1
Dalmatinisch ist kein „falsches“ Kroatisch, sondern eine eigene Sprachlandschaft (štokavisch-ikavisch in Split, čakavisch auf vielen Inseln). Für den Anfang reichen drei Regeln:
Das Standardkroatische ist ijekavisch: Wo früher ein alter Laut (Jat) stand, sagt man heute ije oder je. In Split und weiten Teilen Dalmatiens wird daraus einfach i – man nennt das ikavica.
Das hörst du schon bei den Wochentagen und bei der Zahl zwei. Mehr dazu in Lektion 8.
Für die Familie hat Dalmatien eigene Wörter. Viele kommen aus dem Venezianischen (nono, nona, barba, famija), andere sind alte slawische Formen (mater, ćaća).
In Split sagt man zum Vater oft liebevoll ćaća, zur Mutter mater oder mama. Barba ist der Onkel – aber auch jeder ältere Mann, den man respektvoll anspricht, z. B. ein Fischer am Hafen.
Im dalmatinischen Café hörst du viele Wörter aus dem Italienischen und Venezianischen. Wer bevanda bestellt, bekommt Wein mit Wasser; Zucker heißt cukar, und ein Glas Wein trinkt man aus dem žmul.
Dazu kommen die bekannten Lautregeln: molim → molin, hoćeš → oćeš, mlijeko → mliko. Und statt „idemo“ ruft man einfach ajmo!
Dalmatien war Jahrhunderte lang venezianisch – und das merkt man vor allem im Haus. Fast jedes Möbelstück und Küchengerät hat in Split ein Wort romanischer Herkunft.
Im Standardkroatischen (und in Schrift, Schule und Nachrichten) benutzt man die slawischen Wörter. Zu Hause bei der Nona hörst du aber eher katrida, ponistra und šugaman.
Das Wetter bestimmt in Dalmatien die Stimmung. Die bura kommt kalt und böig vom Festland – danach ist die Luft glasklar. Das jugo bringt feuchte Wärme, hohe Wellen und Kopfschmerzen; man sagt, bei Jugo solle man nichts Wichtiges entscheiden. Bei bonaca liegt das Meer still wie ein Spiegel.
Und die fjaka? Ein Zustand zwischen Müdigkeit und Gelassenheit, meistens im Sommer, meistens nach dem Mittagessen. Diese Wörter benutzt man in ganz Kroatien – aber erfunden wurden sie am Meer.
In Split hat jeder Markt seinen Namen: Auf dem Pazar gibt es Obst und Gemüse, in der Peškarija Fisch, und auf der Pjaca trinkt man danach Kaffee.
Die Marktfrauen sprechen Dalmatinisch – also pomidor statt rajčica, kapula statt luk und verdura statt povrće. Achte auf das Geschlecht: Viele Lehnwörter sind anders als ihr Standardwort.
Das auffälligste Merkmal des Split-Dialekts ist die ikavica. Ein alter slawischer Laut (Jat) wird im Standard als ije (in langen Silben) oder je (in kurzen Silben) gesprochen – in Dalmatien einfach als i.
Faustregel: Wo im Standard ije oder je steht, sagt man in Split oft i:
vrijeme → vrime, mlijeko → mliko, lijepo → lipo
dijete → dite, djevojka → divojka, cvijet → cvit
Aber Vorsicht: Nicht jedes je stammt vom Jat! jedan, jezik, je bleiben, wie sie sind. Am besten lernst du die ikavischen Wörter einzeln.
In Split erkennst du einen Erzähler sofort an Formen wie bija, reka, doša. Das betrifft nur das männliche Partizip. Zusammen mit san statt sam klingt ein ganz normaler Satz plötzlich sehr dalmatinisch. Im Standard (Schule, Nachrichten, Schrift) gilt aber immer bio, rekao, došao.
Fjaka, đir und fešta – das dalmatinische Wochenende A2
Wer in Split das Wochenende plant, braucht drei Wörter: đir (die Runde über die Riva), fešta (das Fest) und fjaka (das süße Nichtstun, vor allem in der Mittagshitze). Alle drei kommen aus dem Italienischen bzw. Venezianischen. Im Standard sagt man šetnja, zabava und – für fjaka – am ehesten dokolica oder lijenost.
Standard
Dalmatinisch
Deutsch
Idemo u šetnju?
Ajmo na đir?
Machen wir einen Spaziergang?
U subotu je zabava.
U subotu je fešta.
Am Samstag ist ein Fest.
Lijen sam danas.
Uvatila me fjaka.
Ich bin heute faul. / Die Fjaka hat mich erwischt.
Jahrhundertelang gehörte Dalmatien zu Venedig. Das hört man bis heute vor allem in Wörtern rund um Hafen und Stadt: riva (Promenade), pjaca (Platz), ura (Uhr, Stunde). Dazu kommt die Ikavica: livo, misto. Und wenn die Fähre ausfällt, heißt es: Nima trajekta!
Beim Thema Gesundheit stecken viele Wörter mit altem jat (ije / je), die in Split ikavisch klingen: liječnik → likar, lijek → lik, tijelo → tilo. In der Praxis sagen viele aber einfach doktor, und die Apotheke ist die apoteka. Auf Rezepten und Schildern steht natürlich der Standard: liječnik, ljekarna.
Fußball heißt in Dalmatien oft einfach balun, und wer für Hajduk ist, ist es fürs Leben. Ältere Männer treffen sich zum balote-Spiel (Boccia), abends wird in der Konoba briškula gespielt und ćakulano – geplaudert. Und gesungen wird natürlich auch: pivat in der klapa. Mit dem Instrumental auf -n klingt alles gleich viel dalmatinischer.
Piron, pjat, žmul – der gedeckte Tisch auf Venezianisch A2
Nirgends hört man so viele italienische und venezianische Lehnwörter wie am Tisch einer Konoba. Gabel, Teller und Glas heißen in Split piron, pjat, žmul, die Tomate pomidor, und der Fisch kommt na gradele oder lešo auf den Tisch. Auf der Speisekarte steht meist der Standard (na žaru, kuhano) – bestellen kannst du aber ruhig auf Dalmatinisch.
In den alten Steinhäusern von Varoš und Lučac kennt jeder jeden. Der Nachbar heißt susid, die Nachbarin susida – das Jat wird wie in lipo, mliko zu i. Und wer nicht zu Hause ist, ist in Split nicht kod kuće, sondern nije doma.
Vazam, Cvitnica, regal – Feiertage auf Dalmatinisch A2
An der Küste hat sich für Ostern das alte Wort Vazam gehalten, der Palmsonntag heißt ikavisch Cvitnica. Und das Geschenk unter dem Baum ist für viele Splitter ein regal (aus ital. regalo). Gratuliert wird wie immer mit -n: Čestitan!
Spätestens an der Mautstelle vor Split hörst du es: Nach dem Ziel fragt man mit di, was man braucht, triba, und wer etwas möchte, sagt molin. Aus lijevo wird livo, aus nema wird nima. Die Tankstelle heißt übrigens in ganz Kroatien im Alltag einfach benzinska oder pumpa – das ist Umgangssprache, kein Dialekt.
Šugaman, kušin, kužina – Ankommen in der Ferienwohnung A2
In der Ferienwohnung in Split hörst du viele Wörter aus dem Italienischen bzw. Venezianischen. Die Vermieterin sagt vielleicht: „Šugaman i kušin su u ormaru, kužina je livo.“ Gemeint sind Handtuch, Kissen und Küche. Angesprochen wirst du als šjor oder šjora – Herr oder Frau.
Das männliche Partizip (für die Vergangenheit) endet im Standard auf -o (aus altem -l): došao, rekao, bio, radio. In Split und Mitteldalmatien hört man stattdessen -a bzw. -ija:
došao → doša, rekao → reka, mogao → moga, imao → ima
bio → bija, radio → radija, vidio → vidija, kupio → kupija
Die weiblichen und pluralischen Formen bleiben gleich: došla, rekla, radili. Zusammen mit san statt sam ergibt sich das typische Ja san doša.
„Ča“ und „šta“ – wenn das Relativpronomen nicht dekliniert wird B1
Auf den Inseln (Brač, Hvar, Vis, Korčula …) und an Teilen der Küste spricht man čakavisch – benannt nach ča (= was). Dort ist ča auch das übliche Relativwort. In Split selbst hört man heute meist šta.
Das Prinzip: Statt koji in sechs Fällen zu beugen, nimmt man ein unveränderliches Wort und ergänzt bei Bedarf ein Pronomen (ga, je, mu). Das gibt es auch in anderen Sprachen der Region (vgl. ital. che).
Achtung: Im Schriftkroatischen ist das umgangssprachlich – im Aufsatz oder in einer E-Mail an Behörden nimmst du koji.
Frag einen Splitter nach dem schönsten Ort der Welt, und du hörst garantiert najlipše – die Ikavica wirkt auch im Superlativ. Sonntags sagt man nicht idemo na Marjan, sondern gremo na Marjan, und im Sommer heißt es liti.
Butiga, škatula, postole – Einkaufen auf Splitski B1
Viele Wörter rund ums Einkaufen kamen über Venedig nach Split: Man geht in die butiga, kauft eine škatula Kekse, probiert postole an und bezahlt mit šoldi. Wer kein Geld hat, sagt: Niman šoldi!
Kroatien ist sprachlich erstaunlich vielfältig. Die drei narječja sind nach dem Wort für „was“ benannt:
štokavisch (što/šta) – Slawonien, große Teile Dalmatiens (auch Split), Dubrovnik; Basis des Standards
kajkavisch (kaj) – Nordwesten mit Zagorje und traditionell Zagreb; meist ekavisch
čakavisch (ča) – Istrien, Kvarner, die dalmatinischen Inseln (Brač, Hvar, Vis, Korčula …) und Küstenorte
Die Splitter Stadtmundart ist ursprünglich čakavisch gewesen, heute aber vorwiegend štokavisch-ikavisch mit čakavischen Resten (ča hört man noch bei Älteren und im Lied). Zum Vergleich kajkavisch: Kaj delaš? (Was machst du?)
Mit dem jat-Reflex kannst du einen Sprecher oft schon nach einem Satz verorten: lijepo (Standard / Dubrovnik), lepo (Zagreb, Zagorje), lipo (Split, Dalmatien). Ikavisch ist übrigens nicht nur Dalmatien: auch in Lika, Teilen Slawoniens und in der Westherzegowina spricht man so.
Geschichte erzählen auf Splitski: Nebensätze statt Partizipien B2
Ein Stadtführer im Fernsehen sagt: Došavši u Split, car je … – ein Splitter Nono erzählt dieselbe Geschichte so: Kad je car doša u Split, …
Im Gespräch gilt: Adverbialpartizipien klingen nach Buch. Mit Nebensätzen (kad, dok, nakon šta) und dalmatinischen Partizipien (doša, reka, sagradija) klingst du natürlich. Außerdem typisch für Spaziergänge in Split: ići na đir (eine Runde drehen) und na Rivu na kavu.
Standard
Dalmatinisch
Deutsch
Došavši u Split, car je sagradio palaču.
Kad je car doša u Split, sagradija je palaču.
Als der Kaiser nach Split kam, baute er einen Palast.
Den Arzt nennt man in Split gern likar, die Apotheke apoteka, das Medikament lik – alle drei kennst du schon. Für das Krankenhaus sagt man oft einfach den Ort: na Firulama oder na Križinama – nach den beiden Standorten des Klinikums (KBC Split).
Beim Wiedergeben hörst du ständig reka je (rekao je) und triba (treba). Auf dem Formular, im Befund und bei der Versicherung gilt natürlich der Standard: liječnik, ljekarna, lijek.
In Split sind die Großeltern nono und nona, die Familie ist die famija, und erzählt wird mit Partizipien auf -a: Kad san bija mali … Ikavisch werden auch ljeto → lito und nedjelja → nedilja. In vielen Dörfern des Hinterlands und auf den Inseln hört man für den Großvater auch das ikavische did.
Registerwechsel auf Dalmatinisch: Italianismen im Alltag C1
In Split hat das gesprochene Wort einen eigenen Alltagswortschatz, oft aus dem Venezianischen bzw. Italienischen. Im Café, in der Familie und auf dem Markt sind diese Wörter völlig normal – in einem Brief an die Behörde, in den Nachrichten oder in einer Seminararbeit verwendet man dagegen die Standardwörter. Wer beides beherrscht, wechselt das Register so selbstverständlich wie zwischen Du und Sie.
Statt Aorist und Imperfekt erzählt man in Split im Perfekt – erkennbar an den Partizipien auf -a bzw. -ija statt -ao/-io. Für lebhafte Pointen tauchen einzelne Aoristformen auf („I ode on!“), das Imperfekt dagegen nicht.
Merke: Diese Partizipformen sind Umgangssprache. In geschriebenem Standard heißt es immer rekao, došao, bio, vidio.
Inselstimmen: Wie klingt ein Gespräch auf dem Škoj? C1
Wer von Split mit der Fähre nach Brač, Hvar, Vis oder Korčula fährt, hört oft schon im Hafen ein anderes Kroatisch: mehr ča, andere Betonungen, viele romanische Wörter. Die Mundarten unterscheiden sich von Insel zu Insel und sogar zwischen Nachbardörfern deutlich.
Die folgenden Formen sind typisch, aber lokal – im Standard und in Split klingen sie bäuerlich-altmodisch oder liebevoll heimatverbunden. Auf Korčula ist die Lage gemischt, dort gibt es auch štokavische Züge.
„Za Austrije, za Jugoslavije“ – Geschichte im Familiengespräch C1
Ältere Dalmatiner datieren ihr Leben gern nach Staaten: za Austrije (zur Zeit Österreichs), za Italije (während der italienischen Besatzung), za Jugoslavije. Diese kurze Form mit za + Genitiv ist auch im Standard korrekt. Im Familiengespräch klingt sie dann so wie unten. Für Schule, Vortrag und Text gilt: sachlich und im Standard bleiben.
Fast vier Jahrhunderte venezianischer Herrschaft haben im Dalmatinischen hunderte Wörter hinterlassen – vor allem für Haus, Küche, Meer und Handel. Österreich hat dagegen eher Verwaltungswörter gebracht (gruntovnica aus „Grundbuch“). Ein paar venezianische Spuren, die du schon kennst:
Beim Notar und auf dem Amt spricht man Standard – auch in Split. Danach, auf der Kaffeeterrasse, wird derselbe Vorgang im Dialekt besprochen. Typisch dalmatinisch ist dabei das Thema selbst: alte Steinhäuser mit vielen Miteigentümern, die noch auf längst verstorbene Großeltern eingetragen sind.
Standard
Dalmatinisch
Deutsch
Treba mi ovjera potpisa.
Triba mi ovjera potpisa.
Ich brauche eine Unterschriftsbeglaubigung.
Nemam vremena za papire.
Niman vrimena za papire.
Ich habe keine Zeit für den Papierkram.
Gdje je općina?
Di je općina?
Wo ist das Gemeindeamt?
Kuća je još uvijek na djedu.
Kuća je još uvik na didu.
Das Haus ist immer noch auf den Großvater eingetragen.
Miljenko Smoje ließ seine Figuren so reden, wie man in Split und den Orten der Umgebung tatsächlich sprach – ikavisch, mit -n statt -m, mit italienischen Lehnwörtern und dem trockenen Spliter Humor. Gerade dadurch wurden „Naše malo misto“ und „Velo misto“ zu Klassikern, deren Wendungen bis heute zitiert werden.
Zum Vergleich: Tin Ujević, ebenfalls aus Dalmatien (Vrgorac), schrieb seine Lyrik im Standard. Herkunft und Schreibsprache sind also zwei verschiedene Dinge.
Dalmatinisch färbt nicht nur Laute, sondern auch Wertungen: Ive oder Šime klingen vertraut und erwachsen, pomalo ist eine Lebenshaltung, und viele Alltagswörter tragen italienische Diminutive in sich (bićerin). Im Standardtext wählst du dagegen die neutralen Formen.
Die Formen in der rechten Spalte sind Umgangssprache bzw. lokal – nicht in formellen Texten verwenden.
Medien- und Amtssprache sind in ganz Kroatien Standard – auch beim Lokalsender in Split. Dialekt taucht in Medien vor allem in Interviews, Kolumnen, Satire und Werbung auf, wo er Nähe und Lokalkolorit erzeugt.
Wer über die Nachrichten spricht, wechselt aber sofort ins Alltagsregister:
Standard
Dalmatinisch
Deutsch
Jesi li čuo vijesti?
Jesi čuja vijesti?
Hast du die Nachrichten gehört?
Što pišu novine?
Šta pišu novine?
Was steht in der Zeitung?
Nisam gledao Dnevnik.
Nisan gleda Dnevnik.
Ich habe die Abendnachrichten (Dnevnik) nicht gesehen.
In Dalmatien wird leidenschaftlich diskutiert – über Hajduk, Politik und darüber, wo der beste Fisch zu haben ist. Die Rhetorik der Konoba hat eigene Mittel:
Ma slušaj … – „Jetzt hör mal …“ (Einleitung zum Widerspruch)
reka bi – höflicher Konditional, dalmatinisch für rekao bih
nimaš pravo – du hast nicht recht
Da san zna … – Irrealis mit Split-Partizip
Das Register ist herzlich-direkt; wer es beherrscht, gehört dazu.
Kaum ein Ort zeigt die dalmatinische Ikavica so schön wie das Klapa-Lied. Wo der Standard ije/je hat, singt die Klapa i – das klingt weicher und passt besser in die Melodie. Diese Wörter hörst du in fast jedem Lied über Meer und Liebe. Viele Lieder werden auch im Standard oder gemischt gesungen; die Mundart ist aber das Herz der Tradition.
Viele Klapa-Lieder stammen von den Inseln und sind čakavisch gedichtet – selbst Klapas aus dem štokavischen Split singen sie in dieser Form. Wie in c1-04 gilt: ča, zač und ki/ka/ko sind Inselformen (älter, lokal) – im Spliter Alltag sagt man šta, zašto, koji. Im Lied aber gehören sie zum Klang dazu.
Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verließen viele Menschen die dalmatinischen Inseln – unter anderem nach der Reblauskrise und der sogenannten Weinklausel (1891), die den dalmatinischen Weinexport hart traf. Ziele waren Nord- und Südamerika, Australien und Neuseeland. In manchen Familien hat sich die Mundart der Großeltern erstaunlich gut gehalten: mit älteren Wörtern, die auf der Insel selbst kaum noch jemand benutzt, und mit Lehnwörtern aus dem Spanischen oder Englischen.
Für Sprachwissenschaftler sind solche Diaspora-Mundarten ein Fenster in die Vergangenheit.
Standard
Dalmatinisch
Deutsch
Govorim hrvatski.
Govorin hrvatski.
Ich spreche Kroatisch.
Lijepo govoriš.
Lipo govoriš.
Du sprichst schön.
Što kažeš?
Šta kažeš?
Was sagst du?
Nisam odavde, ali se osjećam kao kod kuće.
Nisan odavde, ali se osićan ka doma.
Ich bin nicht von hier, aber ich fühle mich wie zu Hause.
Split hat eine lange Tradition des Spotts – von Miljenko Smojes Feuilletons bis zur Wochenzeitung Feral Tribune. Im Alltag ist der Humor trocken und oft liebevoll grob: Ein šempjo ist kein Feind, sondern jemand, der sich gerade blamiert hat. Getratscht wird beim ćakulat, und jede Pointe endet mit Kužiš?
Achtung: „obitelj“ ist weiblich, obwohl es auf Konsonant endet. „Famija“ kommt aus dem Venezianischen (fameja, vgl. ital. famiglia); daneben hört man auch „familija“.
Aus venez. scoio (ital. scoglio „Klippe“). Na otoku → na škoju. „Škoj“ hört man vor allem bei Älteren und auf den Inseln; „otok“ sagen und verstehen alle.
„Ura“ (f., aus lat. hora, vgl. ital./venez. ora) hört man vor allem bei Älteren; Jüngere sagen meist „sat“. Nach der Uhrzeit fragst du am sichersten mit „Koliko je sati?“.